TRADITIONS­GEMEINSCHAFT JABOG 32
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Das Staffelpatch der dritten Staffel323 Staffelgeschichte

Mit der Inbetriebnahme der HFB-320(M) als ECM Trainer, und dem Beginn des Dauereinsatzes der Maschinen 1979, wuchs zwangsläufig das Aufgabenspektrum aller am Einsatz beteiligten Kräfte. Die ehemalige Gliederung konnte nicht mehr aufrecht erhalten werden. Die ECM-Trainer HFB-320(M) waren von der 4./FmLVsuRgt 61 übernommen und betrieben worden. Als fliegende Staffel war dies eine Besonderheit, da sie den Führungsdiensten unterstellt war, aber nur noch Aufgaben im Bereich der "Elektronischen Kampfführung" warnahm.

So wurden die Teileinheiten der 4./FmLVsuRgt 61 zum 01. April 1980 als 3./Fliegende Staffel dem JaboG 32 und damit der Kommandostruktur der 1. LwDiv und dem LflKdo unterstellt.

Alle HFB der 3./Jabog32 komplett auf der Flightline
(Bild: Schwertel) Die komplette Flightline der 3./JaboG 32

Ausgerüstet mit sieben Flugzeugen hatte die 3./Fliegende Staffel JaboG 32 folgenden Auftrag:

  1. Einsatz von Sonderflugzeugen, um das Betriebspersonal der eigenen LV-Systeme der Luftwaffe, des Heeres und der Marine, sowie die Flugzeugführer der Jagdgeschwader im Frieden wirklichkeitsnah in der Anwendung elektronischer Schutzmaßnahmen (EloSm) auszubilden.
  2. Einsatz von Sonderflugzeugen, um Techniken und Verfahren der Unterstützung eigener Streitkräfte durch elektronische Unterstützungs- und Gegenmaßnahmen im V-Fall zu erproben.
  3. Einsatz von Sonderflugzeugen zum Gewinnen von technisch-taktischen Erfahrungen mit neuen Einsatzmitteln der elektronischen Kampfführung.
  4. Truppenversuche mit Bordelektronikgeräten, ggf. in Zusammenarbeit mit dem BWB und der E-Stelle 61.
  5. Ausbildung der Flugzeugführer und der Störfunker für den Regenerationsbedarf.

Staffelgliederung

tbd

Geschichte der HFB 320

Mitte der sechziger Jahre erkannte die Luftwaffe den Bedarf für ein Störsystem zur realistischen Ausbildung in der elektronischen Kampfführung. Die bestehende Ausbildung an Simulatoren sollte durch "Live-Training" ergänzt und damit insgesamt verbessert werden.

Es folgten Systemuntersuchungen mit den Luftfahrzeugen C-160 "Transall" und HFB-320 für militärische Sonderaufgaben, die Ende 1967 dem Verteidigungsminister vorgelegt wurden. Anfang 1970 wurden vier Lfz für das ECM-Live-Training geplant, der Bedarf überprüft und präzisiert. Am 04. Oktober 1973 wurde die Beschaffung von vier ECM-Lfz HFB-320(M) angeordnet.


Lechfelder HFB Flotte komplettDer ECM-Trainer HFB-320(M) wurde aus der Basis-Version eines "Executive Jet", der HFB-320, entwickelt. Hersteller war der Hamburger Flugzeugbau, der wiederum eine Tochterfirma der Messerschmitt-Bölkow-Blohm Gruppe war. Dieses Lfz war damals bei der Flugbereitschaft BMVg als VIP-Transportflugzeug eingesetzt.

Das erste Lfz sollte im Februar 1976 ausgeliefert werden. Bei einer Sturmflut im Januar 1976 bewies es Schwimmfähigkeit, wurde aber schwer beschädigt und musste instandgesetzt werden.

Da auch Ersatzteile und Fertigungsanlagen beschädigt oder zerstört wurden, kam es zu erheblichen Verzögerungen, sodass der erste ECM-Trainer HFB-320(M) erst am 31. August 1976 von der 4./FmLVsuRgt 61 übernommen wurde.

Leider kam es schon kurz nach dem ersten Eloka-Flug am 22. November 1976 zu einem folgenschweren Zusammenstoß mit einer Fiat G-91 der WaSLw 50, bei dem sich die Piloten der G-91 mit den Schleudersitzen retten konnten, während die Besatzungsmitglieder des ECM-Trainers den Tod fanden.

Die Freigabe der restlichen Flugzeuge für den Dauereinsatz erfolgte am 29.Oktober 1979.

 

Die HFB 320 (M)

HFB 320 (M) mit orangen Streifen inflightDas äußerlich ganz und gar unmilitärisch wirkende Flugzeug mit seinen 15° vorwärts und 6° nach oben gepfeilten Tragflächen, nicht abnehmbaren Tip-Tanks sowie der auffälligen Radarnase, ähnelte dem Albatros aus Walt Disneys Filmen. Die vielen äußerlich angebrachten Antennen, das T-Leitwerk und die am Rumpfheck eingebauten Strahltriebwerke gaben ihm ein eigenartiges aber unverkennbares Aussehen.

Mit einem Startgewicht von 9600 kg, einer Flughöhe bis 13000 m, einer Flugdauer von 2:30 Stunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 0,74 Mach, wurde das Waffensystem von zwei Flugzeugführern und drei Eloka-Spezialisten bedient.

Der wesentliche Teil der HFB-320(M) war jedoch ihr "Innenleben". Vollgepfropft mit Elektronik, operierte sie im ganzen Bundesgebiet. Die Ausrüstung (top secret) umfasst Geräte und Anlagen, die unmittelbar dem Empfang, der Analyse und dem Aussenden von Signalen zum Zwecke der Störung und Täuschung dienen.

Störfunker an Bord der HFB 320 bei der ArbeitEs konnten elektromagnetische Ausstrahlungen erfasst, identifiziert und ausgewertet und so taktische und technische Informationen über einen potentiellen Gegner geliefert werden. Die Führung des Gegners konnte erschwert sowie die eigene Informationsübertragung geschützt werden.

Lauf der Geschichte

Mit Einführung der HFB-320(M) in die Luftwaffe betrat man Neuland und es gab zunächst einige Anlaufschwierigkeiten. Neue Verfahren mussten entwickelt werden und Verständnis bei vorgesetzten Dienststellen und den Bedarfsträgern erreicht werden. Mit der Perfektionierung der Ausbildung und größer werdender Bedeutung der elektronischen Kampfführung, wurde diese in der Luftwaffe eigenartige weil einzigartige Staffel ein wertvoller und gefragter Partner.
Bei vielen Übungen, auch im internationalen NATO-Rahmen, leistete die 3./Fliegende Staffel JaboG 32 anerkannte und hervorragende Arbeit. Ihre Angehörigen können stolz sein auf die hohe Einsatz- und Leistungsbereitschaft, die nachweislich oft durch Vorgesetzte und Nutzer bescheinigt wurde.

Nach 18 Jahren effektiver Ausbildungsmissionen im "Life-Flying-Training-Eloka" für Luftwaffe, Heer und Marine fiel die 3./Fliegende Staffel des JaboG 32 der veränderten sicherheitspolitischen Lage, der Reduzierung der Streitkräfte und dem finanziellen Rotstift zum Opfer und wurde 1994 außer Dienst gestellt

HFB in dreifarbiger Flecktarn Bemalung im Einsatz